Anime Review: Kiseijuu (mit Spoiler)

image

Es ist so weit, seit längerem ist der Anime “Kiseijuu” abgeschlossen. Doch wie gut ist er wirklich?

In der Herbst Season 2014 gab es einige nennenswerte Titel, unter anderem Death Parade, Durarara x2 und eines der gehypedesten Werke der Season, namentlich “Kiseijuu”. Anfangs hatte ich zugegeben nicht viel Interesse am Anime. Aliens fliegen vom Weltall auf die Erde und befallen die Menschheit? Und was zum Teufel ist mit der Hand der Brillenschlange los? Da ich sowieso sehr passiv bin, was Seasons betrifft, fing ich den Anime erst an, als bereits 4 Folgen draußen waren. Die erste Folge hatte ihre Macken, zum Beispiel die Romance zwischen Shinichi und Murano oder die Einleitung, die etwas random war, entpuppte sich aber als eine gute Folge. Mir gefiel es, wie realistisch die Charaktere handelten. So wollte Shinichi seinen Parasiten unbedingt loswerden, konnte es aber nicht tun, denn würde er versuchen, seinen Arm zu amputieren, würde Migi ihn auf der Stelle töten und würde er zur Polizei gehen, blieb Migi ebenfalls nichts anderes übrig, da sie sonst als Versuchsobjekt enden könnten. Das Verhältnis zwischen den beiden und das große Geheimnis baute eine Spannung auf und konnte mich fesseln, sodass ich die 4 Folgen am Stück schaute. Der Anime wurde mit jeder Folge besser, man erfuhr immer mehr über die Parasiten und es gab tonnenweise Twists, aus denen der Anime das Bestmögliche gemacht hat: Gutes Drama und sehr, sehr viel Charakterentwicklung. Der Anime sauste dahin und nach einer Zeit war das Warten auf die nächste Folge ein seelischer Schmerz. Kurz vor Folge 20 wurde ich sogar so ungeduldig, dass ich mir jede Woche 1-2 Kapitel spoilerte. Gegen Ende schwächelte der Anime leider, was der enormen Spannung und der genialen Philosophie im Weg stand. Aber genug philosophiert, Zeit für das Wesentliche.

image

Story:
Wie bereits erwähnt, war ich anfangs skeptisch, was sich aber mit der Zeit legte. Der Anime schaffte es, eine etwas aus der Luft gegriffene, aber spannende Einleitung aufzubauen. Obwohl es anfangs wie ein Enemy of the Week-Killer wirkte, langweilte der Anime nie. Nach ein paar Folgen gab es einen Plot Twist, der extrem gut inszeniert war und aus dem der Anime auch das Beste gemacht hat: Shinichi entwickelt sich weiter und wird mutiger. Auch sein Vater entwickelte sich durch den Twist weiter, wurde später aber leider zu sehr in den Hintergrund gerückt. Die Entwicklung von Shinichi stand im Vordergrund, was aber keineswegs schlecht war. Man konnte den Kontrast zwischen seinem früheren und seinem jetztigen Ich sehr schön sehen und es fiel den anderen Charakteren auf, auch wenn Murano es zu oft erwähnt hatte. Man merkt also, dass Shinichi viel durchgemacht und sich sein Leben verändert hat und man hat ein eher schlechtes Bild von den Parasiten.

Doch genau dann kommt das Geniale an der Story: Man erfährt viel mehr über die Parasiten und versteht sie. Sie stellen das Denken der Menschen infrage und wollen lediglich mit ihnen koexistieren. Damit sie allerdings überleben können, müssen sie sich von Menschenfleisch ernähren. Deswegen haben Hirokawa und Goto geplant, ein öffentliches Gebäude als Futterstelle zu benutzen, um zu überleben. Ab der Stelle wurde es einfach nur noch spannend und als Goto anfing, Shinichi zu verfolgen, hatte ich fast schon so ein ähnliches Gefühl wie bei Kaiji. Dann war es so weit, die letzte Schlacht gegen die Parasiten stand bevor. Die Menschen töteten sämtliche Parasiten gnadenlos in ihrem Gebäude, bis sie von Goto getötet wurden. Hirokawa war hier für eine meiner absoluten Lieblingsstellen des gesamten Animes verantwortlich. Dieser hielt eine Rede, in der er sagte, dass die Menschen die eigentlichen Mörder sind und die Parasiten dafür sorgen, dass die Menschen nicht noch mehr Zerstörung anrichten. Danach wurde er eiskalt erschossen und es stellte sich heraus, dass er eigentlich ein Mensch war. Die ganze Zeit fragte ich mich, wie Shinichi Goto und Hirokawa besiegen soll, da er nicht einmal Goto besiegen konnte, und dann stellte sich heraus, dass Hirokawa “lediglich” ein umweltfreundlicher Mensch war. Als wäre das nicht genug, kam Goto zu Shinichi und redete mit ihm, weswegen die Detektive ihn eigentlich enttarnten(?) und er Paranoia bekam.

Zum Schluss gab es nur noch den Endkampf. Die erste Hälfte war taktisch und Shinichi verlor Migi, der ihm mittlerweile ans Herz gewachsen war. Leider war das das Ende der Genialität und Shinichi bekam Migi zurück und besiegte ihn, indem er ihm einfach nur ein Stück Metall in seinen Bauch rammte. Die letzte Folge sagte uns, dass sich zwei Lebewesen nie komplett verstehen werden, was mir einerseits gefiel, andererseits jedoch gab es danach nur noch eine billige Sidestory mit Murano. Die Parasiten hatten sich an die Menschen gewöhnt und wurden großteils “stubenrein”, Shinichi war mit Murano glücklich und Migi wollte sich verabschieden, tat es aber nicht.

Das Storywriting gefiel mir, da es, trotz einigen Lücken, sehr gut geschrieben war und sich die Handlungsstränge auch entwickelten. Allzu komplex war die Story nicht wirklich, simpel war sie aber auch nicht. Sie war sehr philosophisch, gesellschaftskritisch und konnte sogar zum Umweltschutz beitragen, einer mir neue Thematik für Anime. Die Spanmung war nahezu immer da und die Story an sich wurde, bis zu einem gewissen Punkt, immer besser. Leider war der Abschluss nucht so großartig, was sich etwas negativ auf das Gesamtbild auswirkte.

Ich habe auch drei Plot Holes gefunden, die mich störten. Vielleicht könnt ihr mich aufklären:

1. Die Parasiten flogen random vom Weltall herunter. Aber wo ist deren Ursprung? Sind sie eine Art Mutation durch den Müll? Kommen sie von einem anderen Planeten?

2. Woher kam Kana’s Fähigkeit? Einen Parasiten kann sie unmöglich haben und da sie kein Mörder ist, kann sie auch keinen Mörderinstinkt haben.

3. Haben die Detektive während der Story eigentlich geschlafen? Shinichi war in sehr vielen Fällen verwickelt und wurde gegen Ende sogar enttarnt, wurde aber weder ins Labor verfrachtet noch verhöhrt.

Trotz den Macken gefiel mir die Story wirklich sehr, da sie, durch die ganzen Twists und Cliffhanger ständig am Leben erhalten bleibt und durch den psychologischen Aspekt einen starken Eindruck hinterlässt. 7/10

image

Charaktere:
Bei den Charakteren ist meine Meinung sehr vielseitig. Es gibt alles, von Shinichi, der einer meiner  Lieblingscharaktere wäre, bis hin zu nutzlosen Harem Girls wie Murano oder das Mädchen mit der Brille, die nur am Rande wichtig waren.

Insgesamt handelten alle Charaktere sehr realistisch und bestanden nicht nur aus eindimensionalen Eigenschaften oder Standardsprüchen. Verbündete von Shinichi und weniger wichtige Charaktere waren eher schwächer, wichtige Charaktere und Shinichi, der Mittelpunkt des Animes, dafür umso stärker. Besonders die Parasiten wie Tamura Reiko und Shimada gefielen mir sehr.

Kana_anime

Beginnen wir mit den schwächeren Charakteren. Hier haben wir (leider) Kana. Ich fand sie sehr süß und enorm sympathisch, aber bis auf ihre Fähigkeit hatte sie leider keinen Nutzen, da sie nur dem Pacing störte und ein weiteres Shinichi-Harem Girl war.

image

Murano war auch nicht viel besser. Ich fand es gut, dass es ihr Shinichi’s Entwicklung aufgefallen ist, es wurde aber übertrieben oft wiederholt, sodass ich es nachvollziehen kann, wenn andere sie nicht mögen. Sie war nur der Female Main, der sich in Shinichi verliebt hat, because Main.

image

Ein stärkerer Charakter war Shimada. Ja, der Parasit, der “nur” ein paar Folgen lebte und in der Schule für Unruhe gesorgt hat. Dieser wollte nämlich nur ein normales Leben mit den Menschen führen und mit ihnen koexistieren. Als er enttarnt wurde, blieb ihm keine andere Wahl als alle Menschen um sich zu töten, was eine meiner Lieblingsstellen des Animes war. Er war einfach das perfekte Beispiel, um sich in die Rolle eines Parasiten hineinzuversetzen.

image

Ein weiterer Charakter, der mir sehr gefallen hat, war Hirokawa. Dieser hatte zu Beginn die Erscheinung, ein extrem starker Parasitenboss zu sein, entpuppte sich aber als ein normaler Mensch. Er war für eine meiner absoluten Lieblingsstellen verantwortlich, in der er sagte, wir Menschen sind die wahren Parasiten und verpesten uns selber.

image

Tamura Reiko war ebenfalls ein sehr guter Charakter. Anfangs wirkte sie wie ein typischer Parasit, beobachtete zunächst aber Shinichi, da dieser immer noch die Kontrolle über sein Gehirn hat. Später bekommt sie ein Baby und entwickelt sich dadurch immer weiter. Zudem stellt sie ständig das Handeln der Menschen infrage und wird später fast sowas wie eine Mutter für Shinichi.

image

Zu guter letzt haben wir Shinichi und Migi. Migi ist ein sehr guter Charakter, der im Laufe der Story Gefühle entwickelt. Shinichi ist für mich einer der besten Charaktere überhaupt. Dieser entwickelt sich vom schüchternen Jungen von nebenan zu einem extrem guten Main. Ständig lernt er etwas dazu und die Schmerzen wegen seiner verstorbenen Mutter kommen ihm immer wieder hoch. Er ist kein dämlicher Main, der auf jede Falle hineinfällt, damit der Gegner zum Zug kommen kann, sondern handelt taktisch und lernt wirklich aus Fehlern. Ständig hinterfragt er seine Taten. Durch die ganzen Verluste bekommt er einen enormen Hass auf die Parasiten und wird richtig cool, er lernt sie später aber zu verstehen und will nicht jeden sinnlos töten. Am Ende haben wir einen sehr gut entwickelten Hauptcharakter, der gelernt hat, dass sich zwei Lebewesen nie komplett verstehen können. Shinichi und Migi entwickeln sich von einer Zweckgemeinschaft zu einem echten Dreamteam.

Ich habe jetzt mehrere Charaktere, unter anderem Goto, die Detektive usw., ausgelassen, da ich ohnehin schon eine endlose Wall of Text habe, sie sich vermutlich kaum jemand durchlesen möchte. Es gibt sowohl gute als auch schlechte Charaktere, dennoch erfüllen die guten Charaktere ihren Zweck enorm gut. Trotz des nicht ganz so genialen Endgegners, den schlafendeb Detektiven und den schwachen Supports, gebe ich den Charakteren eine 7/10.

image

Musik:
Auch ich gehöre zu den Leuten, die Anfangs wegen des Dubsteps skeptisch waren, sich aber dann enorm beeindrucken ließen. Die OSTs haben perfekt zur Atmosphäre gepasst und gefielen mir sehr gut. Allein das Opening fand ich so cool, dass ich es mir stundenlang angehört habe. Es wurden auch keine Tracks zu oft benutzt. Man hätte meiner Meinung nach nur die Tracks “Black Nail” und “Complex” öfters benutzen können. Ansonsten kann ich hier nicht wirklich viel Negatives sagen, da Kiseijuu OSTs zu meinen absoluten lieblings OSTs gehören. 8/10

image

Zeichenstil/Animationen:
Der Zeichenstil gefiel mir enorm. Das Charakterdesign wirkte erwachsen und ließ die Parasiten düster aussehen. Auch Emotionen wurden gut hinübergebracht. Die Hintergründe passten ebenfalls zur Atmosphäre und waren sehr schön anzusehen. Die Animationen waren ebenfalls sehr gut, besonders in den Kämpfen waren sie sehr schön anzusehen.

Hin und wieder sind mir einige Fails aufgefallen, aber im Großen und Ganzen finde ich sie dennoch gut. 7/10

image

Fazit:
Selten konnte ein Anime meinen Geschmack so gut treffen wie dieser hier. Mit einer 7/10 hat es Kiseijuu in meine Top 20 geschafft. Ich würde den Anime absolut jedem weiterempfehlen. Allein wegen Shinichi’s Charakterentwicklung lohnt es sich, diesen Anime anzugucken. Wer auf psychologische Werke steht und/oder etwas spannendes sehen will, sollte sich ebenfalls überlegen, den Anime anzuschauen. Wegen des Hypes ist Kiseijuu zwar kein Geheimtipp/Hidden Gem mehr, aber dennoch äußerst empfehlenswert. Obwohl sich der Anime seine gut aufgebaute Handlung gegen Ende versaut hat, ist er extrem gut und jedem Hype gerecht.

 

Advertisements

Ein neuer Blogger mischt sich ein

Du magst Anime und suchst nach kritischen Reviews?

Dann bist du hier genau richtig. Auf meinem Blog analysiere ich Anime und gebe dann meine ehrliche Meinung dazu ab.

image

Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Wie man aus der Einleitung entnehmen kann, werde ich mich hauptsächlich mit Anime und animespezifischen Themen auseinandersetzen. Ich habe alles geplant, von Reviews, Rants oder Empfehlungen, bis hin zu Meinungsäußerungen auf diverse Themen, Gedanken, die ich auf eine andere Weise nicht aus dem Kopf kriege und sonstigem Zeug. Ihr könnt mir aber gerne Vorschläge, Anregungen und Kritik hinterlassen, dafür ist das ganze ja da.

image

Zu mir, ich bin schon seit meiner Kindheit ein begeisterter Animefan, schaue aber erst seit einigen Jahren Anime mit Untertiteln. Wie vermutlich jeder andere Animefan, hatte auch ich meine Phasen. Hiermit meine ich die Entwicklung vom Neuling zu der Person, die ich jetzt bin. Angefangen hat es, als ich jeden Tag den Fernsehr einschaltete, um die neuen Folgen von Pokemon und Naruto nicht zu verpassen, das wäre wohl Phase 0. Phase 1 begann erst vor ein paar Jahren, als ich aufhörte, Anime im Fernsehn anzuschauen. Ich wagte den Sprung ins kalte Wasser und fing an, mich an die Untertitel und die japanische Sprache zu gewöhnen. Mein erster Sub-Anime war Clannad. Zu dieser Zeit war ich allerdings kaum kritisch. Ich schaute sehr gerne Fairy Tail, One Piece, Soul Eater, und was als Neuling man sonst gerne anschaut. Dann begann Phase 2. Ich bemerkte, dass Dragonball, Naruto usw. nicht mehr so gut waren, wie ich es anfangs dachte und fing an, etwas kritischer zu werden. Ich laß mir verschiedene Blogs durch, und schaute kritischere Reviews an, wodurch ich selber kritischer wurde. Je mehr ich mich damit auseinandersetzte, desto aussagekräftiger wurden meine Kritiken, was uns schon zu Phase 3 bringt. Ab dieser Zeit hatte ich das Gefühl, meine eigene Meinung zu Anime besser zu schildern können und kannte mich damit besser aus. Auch die Schwächen meiner Lieblingsanime sah ich ein, da es bis heute noch keinen objektiv perfekten Anime gibt. Allerdings kann man keinen Anime zu 100% objektiv bewerten, egal, was manche sagen. Qualität kann man sehr wohl von Billigware unterscheiden, ob Anime X aber nun besser ist als Anime Y, ist oft schon eine Feinabstimmung.

Bewerten tu ich nach folgenden Kriterien:
– Story
– Charaktere
– Zeichenstil/Animationen
– Musik
– Unterhaltungswert
– Sonstige Besonderheiten

image

Und damit übergebe ich euch das Wort. Welche Wünsche und Erwartungen habt ihr? Was für Artikel wollt ihr sehen? Wie ist dieser erste Artikel geworden? Was kann ich besser machen und was habe ich richtig gemacht? Was sollte man als Blogger niemals machen?