Meine Kritik zu Legend of the Galactic Heroes (mit kleinen Spoilern)

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Ja, ich habe den besten Anime allerzeiten gesehen. Und es war nicht Neon Genesis Evangelion, The Tatami Galaxy oder Steins;Gate. Es war der Anime, dem sogar die super strengen Kritiker und ihre erleuchteten Anhänger eine 10 geben. Und wenn sogar die tollen, ultra strengen Kritiker mit ihren extrem niedrigen Mean.-Scores einem Anime eine 10 geben, dann muss er einfach das Magnum Opus aller fiktiven Werke sein, oder?

Die Spoilerwarnung habe ich bewusst in den Titel gepackt. Ich werde euch nicht zu Tode spoilern und sagen wie der Anime ausgehen wird oder welcher Charakter wann stirbt, aber bestimmte Stellen werde ich ausführlicher erwähnen, um meine Aussagen zu belegen und der Kritik mehr Substanz zu geben.

Ich setze mich mit den ersten beiden Movies und der 110-folgigen OVA auseinander. Die anderen beiden OVAs sollen nur auf die Charaktere eingehen und können maximal mein Gesamtbild diesbezüglich etwas verbessern. Im Gegensatz zu meinen vorherigen Kritiken versuche ich dieses Mal, mehr auf Details einzugehen. Und da der Anime ohnehin schon wahnsinnig viel Inhalt anbietet, gibt es auch sehr viel mehr zu loben und kritisieren als bei meinen üblichen Analysen.

Ach ja, und nehmt den Sarkasmus in meinem ersten Paragraphen nicht allzu ernst. Abgesehen von den halbwüchsigen 15 (oder 17)-Jährigen, die ständig zeigen müssen, wie objektiv sie sind, gibt es auch viele reife LoGH-Fans mit denen man sehr angenehm diskutieren kann. Jedenfalls bin ich ganz locker an die Sache herangegangen und habe alles hinten an mir vorbeigehen lassen, damit ich möglichst unparteiisch bleiben kann, was sich auch dadurch zeigt, dass ich meine einzelnen Wertungen bezüglich des Animes sehr lange überdacht habe und ich einige meiner Kritikpunkte mit anderen etwas ausdiskutiert habe. 

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Das einst große Königreich, welches von der tyrannischen Goldenbaum-Dynastie regiert wurde, hat sich nach einem Konflikt in zwei Fraktionen aufgeteilt: Das diktarorische Reich und die Allianz der freien Planeten, welche eine am scheiternde Demokratie darstellen soll. Diese beiden Fraktionen bekriegen sich seit mehr als 150 Jahren.

In der Handlung gibt es viele Referenzen zum Nationalsozialismus und zu Beginn wirkt der Anime auch so als würde er diese nur benutzen um intelligent zu wirken. Er vermittelt tatsächlich den Eindruck, dass die Beteiligten den Unterschied zwischen einer Monarchie und einer Diktatur nicht wissen. Ist man jedoch weiter fortgeschritten, wird man mit einem Flashback belohnt, welches die anfänglichen Unklarheiten bezüglich des Nationalsozialismus auf eine sinnvolle Art erklärt. So stellen sich diese als historisch korrekt und für die Handlung relevant heraus.

Und dieser ist nur eine von vielen Thematiken mit denen sich der Anime auseinandersetzt. In Legend of the Galactic Heroes gibt es sehr viel Content, der zum Nachdenken anregt und gleichzeitig in die Handlung hineinpasst. Angefangen von den verschiedenen Regierungsformen und deren Schattenseiten, den Folgen eines Krieges, Aufständen und Putschversuchen bis hin zum Journalismus und Terrorismus. Diese Themen werden aber nicht nur am Rande erwähnt, sondern spielen eine Rolle für die Story und werden so präsentiert, dass es dem Zuschauer selbst überlassen ist, ob er die jeweiligen Handlungen für richtig oder falsch hält, auch wenn die Schattenseiten der jeweiligen Regierungsformen hier nur aufgrund der einseitig bösen Nebencharaktere funktionieren und man manchmal herausflutschende, blutverschmierte Organe braucht, um zu zeigen wie grausam der Krieg ist. Nichdestotrotz gehören die Themen zu den Stärken des Animes und abgesehen von den oben genannten Macken habe ich maximal ein “Es ist nicht ganz so subtil wie beispielsweise in Paranoia Agent” auszusetzen, was ich schon als Kritik auf sehr hohem Niveau sehe.

In Sachen Deutschkenntnisse hingegen zieht der Anime das Gesamtbild etwas herunter: Abgesehen davon, dass es im ganzen Weltall seit mehr als 150 Jahren (Wenn man das Verlassen der Erde nicht berücksichtigt, dann sind es nämlich noch mehr Jahre!) keine andere Sprache als die Deutsche gibt, unterlaufen dem Anime teilweise arg peinliche Fehler, angefangen mit dem Titel “Heldensagen vom Kosmoinsel” bis hin zu falsch geschriebenen Wörtern wie “Beiouwulf”, falsch konjugierten Wörtern (“Wolf der Sturm”, sofern der Anime damit den Genetiv “Wolf des Sturms” meinte) und nicht benutzten Zwielauten (“Fraulein”). Da hat Naoki Urasawa in seinen Werken mehr geleistet. In Pluto gibt es ganze deutsche Texte, die grammatikalisch korrekt sind.

Auch widerspricht der Anime in einigen Dingen den Gesetzen der Physik. Versteht mich nicht falsch, ein Anime muss keineswegs zu 100% wissenschaftlich korrekt sein, nur spielt Legend of the Galactic Heroes in einer alternativen Zukunft unseres Universums. Der Anime will realistisch sein und dabei gibt ein paar offensichtliche Widersprüche. So gibt es keine Schwerelosigkeit im Weltall, Explosionsgeräusche im Weltall und, was man sogar in den 80er Jahren gewusst haben sollte, Autos, die nach Pistolenschüssen explodieren (Und ja, die Autos in Folge 92 sind in Flammen aufgegangen und haben Explosionsgeräusche gemacht!). Eben weil der Anime realistisch sein will und in einer alternativen Zukunft unseres Universums spielt, finde ich diese Punkte erwähnenswert. Trotzdem sehe ich sie aber nur als Details an.

Um etwas seriöser zu werden, der Anime hat viele SciFi Elemente, die gar nicht erklärt werden. Es gibt Hologramme, Türen mit Identifikationssystemen, Laserkanonen/pistolen, Protesen und Raumschiffe. Nichts davon bekommt auch nur den Ansatz einer Erklärung. Der Anime nimmt einfach an, dass man allwissend ist und zieht diese Elemente gnadenlos durch. Das heißt jetzt nicht, dass er ganze Folgen verschwenden muss, nur um die Elemente zu erklären, allerdings haben besonders die Raumschiffe, deren Funktionsweisen und Rangordnungen viel Erklärungsbedarf. Wie funktionieren ihre Waffen? Welche Waffen haben sie? Wie sind sie aufgebaut? Aus welchen Materialien bestehen sie? Besonders die letzten beiden Fragen haben mich aufgrund einer Stelle in der Story geplagt. Aber auf diese werde ich später noch eingehen.

Die Story überzeugt als Gesamtbild trotzdem. Zu Beginn braucht sie zwar noch Zeit, um richtig in Fahrt zu kommen und man verliert recht schnell den Überblick, denn es gibt sehr viele Nebenhandlungen, aber wenn man sich erst einmal zurechtgefunden hat, geht es bergauf mit der Story. Jede Aktion treibt sie voran und der Anime bleibt immer beim roten Faden. Was die Story von Legend of the Galactic Heroes aber auszeichnet, sind zwei Dinge. Erstens, sie ist gut durchdacht. Es wird viel auf den Endteil, die Entwicklungen und die Kämpfe aufgebaut. Dabei sind die Foreshadowings gut platziert und alle wichtigen Planeten und Charaktere werden recht früh eingeleitet.

Die andere Stärke der Story besteht in ihrem Detailreichtum. Es gibt sehr viele Nebenhandlungen, die zusammen eine komplexe Geschichte ergeben und einen Grundkonflikt, auf den auf eine sehr ausführliche Weise eingegangen wird. So hat selbst der Grundkonflikt einen Grundkonflikt und die Angehörigen des Grundkonflikts vom Grundkonflikt eine Geschichte. Selbst die Planeten haben ihre eigenen Hintergrundgeschichten! Diese sind meistens sehr interessant erzählt und allesamt Teile einer detailierten, komplexen Geschichte. Dadurch bekommt der Grundkonflikt, der jahrhundertelange Krieg zwischen der Allianz und dem Imperium, enorm viel Tiefe. Auch stimmt es, dass eine einzige Folge des Animes mehr Inhalt hat als ganze Staffeln von anderen Animes. Ich kann sogar zustimmen, dass Legend of the Galactic Heroes der storytechnisch detailierteste Anime ist.

Auch bietet der Anime ein sehr gutes World Building an. Die Welt von Legend of the Galactic Heroes ist riesig. Es gibt wahnsinnig viele Schauplätze und Charaktergruppen. Diese haben alle ihre eigenen politischen Richtungen und Regeln, wodurch der Anime sehr lebendig wird.

Der Abschluss des Grundkonflikts ist trotzdem schwach. Wie er und somit die ganze Geschichte enden, werde ich nicht verraten. Allerdings ist er eine schlechte Ausrede, um den Konflikt zu lösen. Man hätte schon seit Ewigkeiten auf diese Idee kommen können und es ist nicht ausgeschlossen, dass es danach nicht wieder zu so einer Situation kommen kann. Das Ende der Ära war an sich gut durchdacht und die Nebenhandlungen sind auch abgeschlossen, aber der zentrale Konflikt selbst wird auf eine sehr unstabile Art beendet.

Dazu ist mir noch ein Plot Hole aufgefallen (bzw. ich hatte es im Hinterkopf und andere haben mich darauf aufmerksam gemacht): Ab einem bestimmten Teil hat sich eine Fraktion als unabhängig erklärt und ihren Haupstützpunkt auf die Festung Iserlohn verlegt. Dabei sind alle anderen Planeten in die Hände des Feindes gefallen. Allerdings konnten sich die Leute auf Iserlohn jahrelang ernähren und Flotten aufstellen. Nur, woher haben sie die ganzen Rohstoffe? Iserlohn war eine Militärbasis und es wurde nie im Anime erwähnt, dass zu dieser Zeit ein Handel betrieben wurde oder die Leute sie transportiert haben.

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Da die Kämpfe einen großen Teil der Story ausmachen, baue ich sie als einen Punkt hier hinein. Diese sind taktisch und ich fand sie wahnsinnig episch. Dennoch haben sie vor allem einen großen Haken: Die Taktiken sind sehr simpel und manchmal sogar fragwürdig. Anfangen tut es schon damit, dass das Weltall als Kriegsschauplatz so gut wie nie ausgenuzt wird. Der einzige, der nach mehr als 150 Jahren Krieg auf die Idee gekommen ist, dreidimensionale Formationen zu benutzen, ist Wenli. Dann gibt es noch Sachen wie Truppen, die sich ohne Schutz zurückziehen und ihre Geheimwaffe kaputtmachen lassen (Schlacht mit Geiersberg.) und Linienformationen, die sich einfach so durchbrechen lassen. Dabei habe ich in meinen mehr als 300 Stunden Total War eines gelernt: Wenn der Feind die Linien durchbrechen will, macht man sie dicker und fängt den Angriff ab. So reduziert man seine Verluste und der Feind steckt fest. Außerdem sind sie sehr vorhersehbar, denn man weiß immer, welcher General gewinnen wird.

Nichtsdestotrotz fand ich sie trotzdem gut. Sie sind zumindest keineswegs mit den Schlachten aus Code Geass gleichzusetzen und tragen stark zum Unterhaltungswert des Animes bei. Zudem laufen sie nach dem Set-Up + Pay-Off Prinzip ab, zuerst wird auf sie aufgebaut und dann wird auf das Aufgebaute eingegangen, wodurch sie sehr durchdacht sind.

In die Story von Legend of the Galactic Heroes wurde viel Liebe gesteckt. Sie punktet vor allem mit ihrem durchdachten Writing und ihrem gigantischen Detailreichtum. Es gibt sehr viele interessante Handlungsstränge, die zusammen eine komplexe, detailierte, in sich abgeschlossene Geschichte ergeben. Dazu gibt es noch sehr viele tiefgründige Thematiken, die das Medium Anime viel zu wenig behandelt und ein richtig gutes World Building. Dennoch würde ich den Anime nicht gänzlich als “realistisch” abstempeln, denn die Actionszenen sind manchmal zu unrealistisch (Manche Hauptcharaktere besiegen ganze Gruppen von Gegnern im Alleingang.) und manche physikalische Fehler sind doch offensichtlich. Die größten storytechnischen Schwächen sehe ich aber in der Auflösung der Geschichte, den teils fragwürdigen Taktiken und dem Iserlohn Plot Hole. Auch stimmt es nicht ganz, dass der Anime keine Plot Armor hat, denn in Folge 34 werden zwei Hauptcharaktere im letzten Moment von einem Schlägertrupp gerettet und Schenkopp hat in seinem ganzen Leben als Nahkämpfer noch nie einen Kratzer abbekommen, und das obwohl er manchmal sogar ohne Kopfschutz kämpft. Diese Stellen sind zwar nur Kleinigkeiten und keineswegs mit Sachen wie Mayoiga (Ein Pfeilhagel trifft die Hauptcharaktere nicht) oder One Piece (Marineford. Ruffy.) gleichzusetzen, fallen bei genauerer Betrachtung dennoch auf. Trotzdem ist die Story exzellent und eine der größten Stärken des Animes. 8/10

Charaktere

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Jedem, der sich schon einmal mit Legend of the Galactic Heroes befasst hat, wird eine Sache unter die Nase gerieben (Abgesehen davon, dass es der beste Anime allerzeiten sein soll): Der Anime hat einen gigantischen Cast. Und das stimmt auch. Es gibt mehr als 600 Charaktere, darunter 200, die ausführlich(er) behandelt werden. Und genau hier zeigt sich schon die erste Schwäche, was die Charaktere betrifft: Der Anime hat unnötig viele Charaktere. Wer bei Werken wie Code Geass oder One Piece schon den Überblick verliert, wird bei Legend of the Galactic Heroes in einem endlosen Loch der Verzweiflung versinken. 

Ein großer Cast an sich ist nicht zwingend etwas Schlechtes, wie es Monster bewiesen hat. Allerdings ist nahezu jeder Charakter in Monster ein Teil der komplexen Geschichte oder besitzt seine eigene Persönlichkeit. Bei Legend of the Galactic Heroes hingegen gibt es sehr viele Charaktere, die es nicht wirklich gebraucht hätte. Abgesehen von den Charakteren, die nur ein bisschen verhandelt haben oder nach wenigen Folgen hingerichtet wurden, gibt es Journalisten, Zivilisten und Ehefrauen, die kaum etwas zur Handlung beigetragen haben. Zumindest haben sie nur ein bisschen Infodumping betrieben oder 30 Sekunden geheult, weil ihr Gatte verunglückt ist. Zu den Kindern sage ich einmal gar nichts, diese haben nämlich noch weniger gemacht.

Und wenn wir bei den Nebencharakteren sind, diese erfüllen zwar, sofern sie keine Frauen oder Kinder sind, ihren Zweck, sind aber sehr einseitig charakterisiert. Der erste wichtige Goldenbaum hat sich beispielsweise zum Diktator gemacht und danach alle Menschen umbringen lassen, die er nicht mochte, darunter waren auch Unbeteiligte dabei. Hierfür hatte er keinerlei Beweggründe, er wurde einfach als der böse Diktator dargestellt. Genauso war es mit den Terraisten, welche nur für Anschläge und Unruhe sorgen wollten. Sie waren eindimensionale Charaktere, die man ganz offensichtlich in die Kategorie “böse” einordnen kann. In dieser Hinsicht ist der Anime nicht sonderlich viel besser als das, was die typischen Shounen-Bösewichte abliefern. Dabei kann es doch so leicht sein, Antagonisten gut auszuarbeiten. Ein nachvollziehbares Motiv oder irgendwelche Beweggründe hätten vollkommen ausgereicht und der Gesamteindruck der Nebencharaktere wäre drastisch erhöht. Und da sowohl die Terraisten als auch die Goldenbaums eine sehr wichtige Rolle für die Handlung spielen, muss ich sie auch dementsprechend gewichten.

Was an den Charakteren noch stört, ist Reinhards Schwester. Und damit meine ich nicht nur ihre schwache Charakterisierung. Der komplette Anime würde ohne sie funktionieren. Würde es sie nicht geben, hätte sich der Inhalt so gut wie gar nicht verändert. Das wirklich einzige, das sie in den 110 Folgen (+ den beiden Movies) gemacht hat, war zu Reinhards Beweggründen etwas beizutragen. Und da Kircheis dies auf eine viel bessere Art gemacht hat, war sie einfach nur Fehl am Platz, besonders weil ihre Rolle so wichtig dargestellt wurde.

Abgesehen von Reinhards Schwester und den Nebencharakteren gibt es dennoch viele gute Charaktere. Besonders die Hauptcharaktere sind sehr gut ausgearbeitet und haben sowohl glaubwürdige Persönlichkeiten als auch gute Entwicklungen, sofern sie nicht Annerose von Grünewald heißen. Oskar von Reuenthal gefiel mir davon am besten. Er war durch seine sehr gut ausgearbeitete Vergangenheit äußerst tiefgründig und hatte später auch noch eine gute Entwicklung, die dadurch aufgebaut wurde. Sogar seine Freundschaft mit Mittermeyer beruhte darauf und bekam so die nötige Tiefe. Aber auch generell hatte er viele interessante Interaktionen mit anderen Charakteren, insbesondere Mittermeyer und Reinhard von Lohengramm. Ich würde sogar behaupten, dass er der bestgeschriebene Charakter des ganzen Animes ist, da man seine Entscheidungen aufgrund seiner Beweggründe, welche auch die am detailiertesten ausgearbeiteten Beweggründe des ganzen Animes sind, am besten nachvollziehen kann und er sich von allen Charakteren am menschlichsten anfühlt.

Aber auch der von allen geliebte Yang Wenli und sein aufgenommener Waise Julian Minci gefielen mir sehr. Ersterer punktet mit seiner sympathischen, gemütlichen Art und seinen philosophischen Zitaten, die wirklich intelligent sind und zum Nachdenken anregen. (Und nein, ich spreche nicht vom Pistolen- und Alkoholzitat!) Lediglich seine Taktiken sind oft fragwürdig, was seine Intelligenz unglaubwürdig macht. Dennoch wird dieser Mackel durch seine gute Charakterisierung wettgemacht. Julian hingegen wächst vom Kriegswaisen zum erwachsenen Mann heran und tritt dabei in Wenlis Fußstapfen. Das Interessante dabei ist, wie viele Parallelen er zu Wenli hat und er doch er selbst ist.

Insgesamt haben die Hauptcharaktere einen guten Eindruck bei mir hinterlassen. Ihre Handlungen sind (mehr oder weniger) relevant für die Story und sie werden im Laufe des Animes erweitert oder entwickeln sich. Unter ihnen gibt es nur wenige, die ich nicht ausstehen konnte, wie zum Beispiel Reinhards Schwester und Poplan, der die ganze Zeit nur irgendwelche unlustige Witze gemacht hat. Dennoch kann man über diese fast schon hinwegsehen, wenn man nur auf die Hauptcharaktere achtet. Was das Gesamtbild der Charaktere aber wirklich herunterzieht, sind die Nebencharaktere. Zum einen gibt es sehr viele, die es nicht wirklich gebraucht hätte, zum anderen sind sie sehr schwach charakterisiert. In ihnen sehe ich die größte Schwäche des Animes, da besonders die bereits erwähnten Terraisten und die Goldenbaums in der Story eine wichtige Rolle spielen. Hätte man sie weggelassen oder besser ausgearbeitet, würde ich den Cast sogar meisterhaft finden. Nichtsdestotrotz finde ich den Cast sehr gut und seine Stärken stechen um Längen mehr hervor als seine Schwächen. 7/10

MusikLoGH Kritik Bild 5.jpg

Die Openings und Endings sehen vorerst langweilig aus und hören sich auch so an. Dennoch gewöhnt man sich mit der Zeit daran und sie sind auf jeden Fall besser als diese eintönigen 08/15 Openings mit diesen quietschenden Stimmen (Sword Art Online, Btooom!). In meine Favoritenliste würden sie es allerdings nicht schaffen, dafür ist die Differenz zu wirklich genialen, aufwendigen Openings (Kemono No Souja Erin, Texhnolyze) zu groß.

Bei den OSTs haben sich die Macher sehr viel Mühe gegeben. Es wurde nämlich kein einziger speziell für den Anime komponiert. Stattdessen werden bereits existierende Musikstücke von bekannten Komponisten (Dvořák, Mahler) benutzt. Ich bewerte sie dennoch so wie ganz normale Anime OSTs. Eigentlich sollten die oben erwähnten Namen schon alles sagen: Klassische Musik. Sie ist zeitlos. Sie ist episch. Sie hat einen sehr hohen Suchtfaktor. Besonders bei den Schlachten zeigten die Stärken der Musikstücke, da diese Stark zur Epicness beitrugen. Es war einfach nur badassig, wenn sie im Anime herumgeschossen haben und dann im Hintergrund ein Stück von Dvořák gelaufen ist. Aber auch bei anderen Szenen waren sie fabelhaft platziert und haben sowohl zur Atmosphäre als auch zum Setting enorm positiv beigetragen. An meinen King of OSTs, Fullmetal Alchemist: Brotherhood, kommen sie zwar nicht ganz heran, aber dennoch haben sie mir so sehr gefallen, dass ich mich den Leuten anschließen kann, die wegen Legend of the Galactic Heroes angefangen haben, klassische Musik zu hören. Wobei das nur halbwahr ist, denn Interesse an klassischer Musik habe ich schon länger. Der Anime hat mein Interesse hierfür aber drastisch erhöht.

Der Anime bietet großartige Hintergrundmusik, die man stundenlang hören muss, und ganz nette Openings/Endings an. 7/10

OptischesLoGH Kritik Bild 4.jpg

Wie bei vielen anderen Werken ist meine Meinung auch hier zweigeteilt:

Einerseits gibt es den Zeichenstil. Dieser ist sehr detailiert, was den Vorteil hat, dass man die Charaktere optisch auseinanderhalten kann, anders als bei Shinsekai Yori. Außerdem ist er realistisch. Es gibt keine pinken, zu Berge stehenden Haare oder etwas in diese Richtung, was zur Glaubwürdigkeit des realistischen Settings beiträgt und dem Anime etwas mehr Reife gibt. Generell würde ich bei Legend of the Galactic Heroes von einem zeitlosen Zeichenstil sprechen, denn wirklich nervig sind nur die veralteten Kontraste, die auch nur dann auffallen, wenn man sie mit neueren Kontrasten vergleicht, und ein paar Raumschiffe oder Leute im Hintergrund, die manchmal einfach so dahingesudelt sind.

Die Animationen hingegen sind richtig mies. Abgesehen von den ganzen Fails und Recyclings in der ersten Staffel gibt es vor allem zwei Dinge, die extrem auffallen:

Zum einen die Standbilder. Sobald mehrere Charaktere miteinander sprechen, ist die Atmosphäre praktisch tot. Bis auf den Mund des sprechenden Charakters bewegt sich nämlich rein gar nichts, es gibt weder Gesten noch ein Blinzeln oder irgendwelche Bewegungen während Dialogen. Dies hat zur Folge, dass Big Scenes manchmal nicht vollständig genießbar sind, weil sie kaum lebendig wirken.

Dann gibt es noch die niedrigen Framerates, die, gepaart mit Animationsrecycling, in den Schlachten stark auffallen. Die Laser der Schiffe und Pistolen bestehen aus ein paar Standbildern, die wahnsinnig unprofessionell aussehen. Das sind zwei Frames, die mehrere Sekunden ohne Übergang an den Bildschirm geklebt werden. Ähnlich ist es mit den Animationen der zerstörten Raumschiffe, nur dass diese noch stark recycled werden. Aber auch die Schießereien zwischen den Soldaten waren wegen diesen unflüssigen Animationen manchmal sehr eigenartig.

Zum Glück wurden die Animationen gegen Ende etwas besser. Die Kämpfe waren leicht flüssiger animiert und es gab ein paar Nahaufnahmen von Schiffen, die ganz nett waren. Nur waren die Verbesserungen hierbei wirklich nur minimal und die ganzen Fehler der vorherigen Episoden werden dadurch nicht weniger schlimm. Außerdem waren die Laser selbst sowie die Acionszenen immer noch wahnsinnig schlecht animiert.

Während der Zeichenstil nur kleinere Macken aufweist und in das erwachsene, realistische Schema passt, ruinieren die Animationen viel, was die Optik betrifft. Die schlecht animierten Weltraumschlachten und Actionszenen taten mir manchmal fast schon in den Augen weh und selbst die schönsten Hintergründe werden mit Standbildern unanschaulich. Trotzdem hat mir der Zeichenstil einen richtig guten Eindruck hinterlassen. 6.5/10

FazitLoGH Kritik Bild 2.jpg

Legend of the Galactic Heroes hat einen enorm guten Eindruck bei mir hinterlassen und sich sogar den Titel “Lieblings OVA” bei mir geholt. Den Titel “Bester Anime allerzeiten” konnte es allerdings nicht ergattern, dieser gebührt einzig und allein Texhnolyze und sogar in der Kategorie OVAs finde ich einige Werke besser oder gleich gut. Storytechnisch hält der Anime zwar mit der Kenshin OVA mit, allerdings sind seine Macken in den anderen Kategorien zu schwerwiegend. Die Begeisterung um den Anime generell kann ich aber nachvollziehen, denn das Writing ist äußerst gut und er hat viele Dinge, die einem gefallen. 

Bevor ich meine endgültige Bewertung preisgebe, werde ich die Vor- und Nachteile des Animes nochmal zusammenfassen.

Pro

+ Detailierte, gut geschriebene Story

+ Viele interessante Thematiken

+ Sehr gute Hauptcharaktere

+ Gutes World Building

+ Realistischer, zeitloser Zeichenstil

+ Klassische Musik

+ Taktische Schlachten

+ Historisch korrekte Referenzen

Contra

– Viele Nebencharaktere, die überflüssig sind

– Viele schlechte Nebencharaktere, die man als “böse” einstufen kann

– Schlechte Animationen

– Schwaches Ende

– Das Iserlohn Plot Hole

– Nicht sonderlich durchdachte Taktiken

– Manche unrealistische Einlagen (Widersprüche mit der Physik, unglaubwürdige Actionszenen)

– Fehlerhaftes deutsches Vokabular

Insgesamt sind die Stärken des Animes wesentlich stärker als seine Schwächen. Dennoch sind sie nicht zu übersehen. Nachdem ich lange überlegt habe, bin ich dann zu einer 7/10 gekommen. Ich finde den Anime großartig und würde ich ihn auch weiterempfehlen, als ein Meisterwerk würde ich ihn aber nicht wirklich bezeichnen.

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